Das polytraumatisierte Kind

C. Möllmann, F. J. Kretz

Auszug aus Notfallversorgung im Kindes- und Jugendalter:

Das Polytrauma stellt eine gleichzeitige Verletzung zweier oder mehrerer Körperregionen bzw. Organsysteme dar. Dabei kann die Einzelverletzung bzw. die Kombination der entstandenen Verletzungen eine vitale Bedrohung darstellen. Die Hypoxie der Kinder kann aus einer Hypotonie, einer Hypovolämie, einer Ischämie, einem Gewebsschaden oder einem Reperfusionssyndrom resultieren. Darüber hinaus können sich in der Folge komplexe Dysfunktionen des Organismus im Sinne eines SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrom) oder MODS (Multiple Organ Dysfunction Syndrom) bis hin zur lebensbedrohlichen Sepsis entwickeln.

Physiologische Besonderheiten bei Kindern

  • Verglichen mit Erwachsenen führen Traumata bei Kindern zu mehr und schweren Verletzungen. Dies ist bedingt durch eine weitgehend uneingeschränkte Fortleitung der einwirkenden mechanischen Energie innerhalb des kleineren Körpers.
  • Die im Verhältnis zum Körpergewicht größere Körperoberfläche begünstigt ein Auskühlen des verunfallten Kindes mit den bekannten negativen Effekten auf Blutgerinnung, Herzkontraktilität und Katecholaminwirkung sowie auf den Energiebedarf mit evtl. nachfolgender metabolischer Azidose.
  • Der kindliche Organismus kompensiert Blutverluste über lange Phasen, ohne dass ein Abfall des Blutdrucks auftritt. Ab einem Blutverlust von 25–30 % versagen diese Kompensationsmechanismen oft schlagartig. Bezüglich des kardiovaskulären Status ist die engmaschige Beurteilung von Herzfrequenz und Rekapillarisierungszeit zur Einschätzung der peripheren Perfusion wesentlich aussagekräftiger als die alleinige Messung des Blutdrucks.
  • Bei Kindern bedeutet die diagnostische Strahlenbelastung ein deutlich höheres Risiko, in der Folge ein Malignom zu entwickeln. CT-Untersuchungen und konventionelles Röntgen bedürfen deshalb einerseits einer strengen Indikationsstellung, andererseits dürfen aber auch keine wichtigen Befunde übersehen werden.

Wie bei Erwachsenen erfolgt die Versorgung strukturiert nach dem ABCDEF-Schema mit Berücksichtigung pädiatrischer Besonderheiten.


Zitierweise:
Möllmann C, Kretz FJ (2017): Das polytraumatisierte Kind. In: Notfallversorgung im Neugeborenen- und Kindesalter. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, ecomed Medizin, Landsberg

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