Hitzeschäden

Hitzeschäden können bei bestimmten Berufen unter Wärmebelastung am Arbeitsplatz und bei außergewöhnlichen Witterungseinflüssen (Hitzewellen) vorkommen. Körperliche Anstrengungen, ungewohnte sportliche Aktivitäten oder unzweckmäßige Kleidung können ein Übriges tun.

Ein Hitzeschaden tritt ein, wenn das Gleichgewicht zwischen Wärmebelastung und Wärmeabgabe gestört ist. Bei Umgebungstemperaturen oberhalb der Körpertemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit (über 90 %) ist bei Nichtakklimatisierten eine Wärmeabgabe nicht mehr möglich und die Körperkerntemperatur steigt.

Hitzekollaps (Hitzeohnmacht)

Beim Hitzekollaps handelt es sich um ein akutes Versagen der Kreislaufregulation in Folge einer Vasodilatation mit Umverteilung des Blutvolumens in die Peripherie bei steigender Körpertemperatur. Die orthostatische Hypotonie (besonders bei längerem Stehen und Gehen) führt zu einem kurzfristigen Bewusstseinsverlust. Sonstige Symptome: feuchtwarme, gerötete Haut, trockene Schleimhäute, starker Durst.

Erstmaßnahmen sind Schocklagerung in kühler Umgebung, Öffnen beengender Kleidung, evtl. orale Flüssigkeitsgabe oder kristalloide Infusion.

Sonnenstich

Durch eine intensive direkte Sonnenbestrahlung des ungeschützten Kopfes kommt es zu einer meningialen Reizung. Symptome sind: heißer, hochroter Kopf bei sonst normaler Haut- und Körpertemperatur. Typisch sind ansonsten: Kopfschmerzen, Unruhe, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Ohrensausen, Nackensteifigkeit.

Die Therapie besteht in der Lagerung an einem kühlen Ort, Oberkörper hoch und Kühlung des Kopfes und des Nackens. In schweren Fällen kann es zu Bewusstlosigkeit und zerebralen Krämpfen kommen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann die Symptomatik zeitlich verzögert z.B. in den Nachtstunden erst auftreten.

Hitzeerschöpfung (Hitzekrämpfe)

Schwere körperliche Belastung, insbesondere bei jungen gesunden Menschen (Sportlern, Soldaten) können bei trockener Hitze und starkem salzreichen Schweißverlust zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten (bis zu 1,5 l/Stunde) führen. Der Schweißverlust führt zu einer Hyponatriämie und Hypovolämie. Die klinischen Zeichen einer Hitzeerschöpfung sind Tachykardie und Hypotension. Des Weiteren: Schwäche, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Erbrechen. Die Haut ist feuchtwarm. In der Folge kann sich eine Enzephalopathie mit Hirnödem entwickeln, was sich an Verwirrtheit, Krämpfen und Bewusstlosigkeit zeigt. Als Ausdruck der Hyponatriämie können Muskelkrämpfe auftreten.

Die Erstmaßnahme besteht aus der Lagerung an einem kühlen Ort in Schocklage. Kühlung insgesamt ist weniger bedeutsam als der Ausgleich des Elektrolyt- und Volumenverlustes. Normotone Elektrolytlösungen i. v. oder salzhaltige Flüssigkeiten sind die adäquaten Maßnahmen.

Hitzschlag

Beim Hitzschlag handelt es sich um ein dramatisches Krankheitsbild mit einem Versagen der Thermoregulation. Durch eine große Wärmezufuhr – z. B. durch erhöhte Umgebungstemperatur, oder durch aktive Wärmeproduktion (z. B. durch massive Muskelaktivität und unzureichender oder fehlender Möglichkeit einer Wärmeabgabe) – steigt die Körpertemperatur in kürzester Zeit auf über 40 °C. Dies führt zu einem zytotoxischen Effekt und triggert komplexe Mechanismen auf zellulärer und molekularer Ebene (klassischer Hitzschlag). Die Auffindesituation lässt erste Verdachtsmomente aufkommen: intensive Sonnenbestrahlung, geringe Luftbewegung, schwüle Witterung, körperliche Anstrengung oder Patienten in dieser Umgebung nach Alkohol- und/oder Drogenintoxikation. Typisch ist die Situation
des Aufenthaltes in anhaltend schwül-heißer Umgebung mit der Unmöglichkeit, durch Schweißbildung einen Wärmeausgleich zu erreichen.
Die Symptome ergeben sich aus der Hyperpyrexie (über 40 °C) mit den damit verbundenen ZNS-Störungen wie Desorientiertheit, Erregung, Krämpfe, Apathie bis zum Koma. Bei der Beurteilung der Haut kann diese sowohl trocken gerötet, aber auch schwitzig und kühl sein. Bei jüngeren Patienten resultiert evtl. eine hyperdyname Kreislaufreaktion. Besonders betroffen von der Gefahr eines Hitzschlags sind Kleinkinder, ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Im Gegensatz dazu trifft der „Anstrengungshitzschlag“ meist junge Leute (Sportler, Soldaten, Arbeiter), bei denen eine aktive Wärmeproduktion bei fehlender Abgabe die Ursache der Schädigung darstellt.

Das Therapieziel ist die umgehende Senkung der Körpertemperatur unter 39 °C. Die Kühlung sollte noch am Notfallort einsetzen. Dies kann primitiv durch Evaporation geschehen, in dem der Patient befeuchtet und durch Luftbewegungen (fächeln) die Verdunstung angeregt wird. Eine andere Möglichkeit ist die externe Kälteanwendung durch Eispackungen auf die großen Gefäße (Axilla, Leiste, Hals) kombiniert mit Eiswasser getränkten Tüchern auf Kopf, Rumpf und Extremitäten. Während der Kühlung ist ein kontinuierliches Monitoring der vitalen Parameter erforderlich. Eine intravenöse Flüssigkeitstherapie erfolgt zurückhaltend mit kristallinen Lösungen. Antipyretika sind unwirksam.

Unterscheidung der Symptome und der Erstversorgung bei Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag:

  Klinik
Therapie
 Hitzekollaps
  • kurzfristiger Bewusstseinsverlust
  • feuchtwarme, gerötete Haut
  • trockene Schleimhäute, starker Durst
  • Schocklagerung in kühler Umgebung
  • Öffnen beengender Kleidung
  • evtl. orale Flüssigkeitsgabe oder kristalline Infusion
 Sonnenstich
  • heißer, hochroter Kopf bei sonst normaler Haut- und Körpertemperatur
  • Kopfschmerzen
  • Unruhe
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schwindel, Ohrensausen
  • Nackensteifigkeit
  • ggf. Bewusstlosigkeit, zerebraler Krampf
  • Lagerung an einem kühlen Ort
  • Oberkörper hoch
  • Kühlung des Kopfes und des Nackens
 Hitzeerschöpfung
  • Tachykardie, Hypotension
  • Schwäche, Unwohlsein
  • Kopfschmerzen, Erbrechen
  • feuchtwarme Haut
  • ggf. Enzephalopathie mit Hirnödem (Verwirrtheit,
  • Krämpfe, Bewusstlosigkeit)
  • Muskelkrämpfe
  • Lagerung an einem kühlen Ort in Schocklage
  • Kühlung
  • Ausgleich des Elektrolyt- und Volumenverlustes (normotone Elektrolytlösungen i.v. oder salzhaltige Flüssigkeiten)
 Hitzschlag
  • ZNS-Störungen (Desorientiertheit, Erregung, Krämpfe, Apathie bis Koma)
  • Haut kann sowohl trocken gerötet, aber auch schwitzig und kühl sein
  • umgehende Senkung der Körpertemperatur unter 39 °C
  • Patient befeuchten und durch Luftbewegungen (fächeln) Verdunstung anregen, oder
  • Eispackungen auf die großen Gefäße (Axilla, Leiste, Hals) kombiniert mit Eiswasser getränkten Tüchern auf Kopf, Rumpf und Extremitäten, oder
  • Kalt-Wasser-Bad
  • während Kühlung kontinuierliches Monitoring der vitalen Parameter
  • zurückhaltend intravenöse Flüssigkeitstherapie mit kristallinen Lösungen

 

Zitierweise:
Sefrin P (2018): Notfallmedizin. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, ecomed Medizin, Landsberg

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