Krebsregister

A. Katalinic, R. Pritzkuleit

Abstract aus dem Handbuch der Umweltmedizin:

Heute existieren in Deutschland die gesetzlichen Grundlagen für eine umfassende Krebsregistrierung, die sowohl klinische Bereiche, wie die onkologische Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung, als auch die bevölkerungsbezogene Gesundheitsberichterstattung adressieren. Durch die flächendeckende Vernetzung von klinischer und epidemiologischer Krebsregistrierung werden in Kürze für ganz Deutschland vollzählige Daten zu Krebserkrankungen, deren Behandlung und Verlauf vorliegen. Damit
ist Deutschland in die Spitze der Krebsregistrierung weltweit aufgestiegen und steht nun auf einem Niveau mit SEER-Programm (hochqualitative Krebsregistrierung in den USA) oder den skandinavischen
Registern.

Die Nutzung der Krebsregisterdaten beschränkt sich nicht nur auf die Lösung der in den Gesetzen genanntenAufgaben, sondern bietet auch viele weitere Möglichkeiten für Forschungsaktivitäten. Die onkologische Versorgungsforschung wird mit den neuen Daten beispielsweise in die Lage versetzt, neue und alte Therapien und Versorgungskonzepte unter realen Versorgungsbedingungen zu analysieren und zu bewerten. Dies ist eine wichtige Ergänzung zu klinischen Studien, die meistens hoch selektive Patientenkollektive nutzen und so die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf ein übliches Patientenkollektiv oft fraglich erscheinen lassen.

Die epidemiologische Krebsregistrierung, die auf eine vollzählige Erfassung aller Krebsneuerkrankungen angewiesen ist, wird von der gemeinsamen klinisch-epidemiologischen Datenerfassung und dem regionalen Austausch von Daten profitieren. Die Nutzungsmöglichkeiten für die epidemiologische Forschung werden dadurch weiter verbessert. Dies ist gerade für umweltmedizinische Fragestellungen in der Onkologie von großer Bedeutung. Qualität und Reichweite der Daten steigen, Analysen werden auch in Regionen möglich, für die früher nur unzureichende Daten vorlagen, und für seltene Tumorerkrankungen (z. B. Pleuramesotheliom mit ca. 20 Fällen pro 1 Million Einwohner) werden schneller ausreichende Fallzahlen erreicht.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass gerade im Bereich der Umweltmedizin mit den Krebsregisterdaten allein nicht alle Fragestellungen mit ausreichender Sicherheit beantwortet werden können. Dazu ist der Datensatz häufig zu limitiert. Durch die Verknüpfbarkeit der Krebsregisterdaten mit weiteren Datenquellen (Kohortenabgleich zur Ermittlung vonKrebsfällen/-todesfällen in einer  exponierten Kohorte) oder die Möglichkeit, individuelle Patienten zu kontaktieren, lassen sich auch große  umweltepidemiologische Studien mit vertretbarem zeitlichen und finanziellen Aufwand durchführen.

Zitierweise:
Katalinic A, Pritzkuleit R (2019). Krebsregister. In: Wichmann HE, Fromme H (Hrsg): Handbuch der Umweltmedizin, Kap. III-2.3.4, 60. Erg.Lfg., ecomed Medizin, Landsberg

Wichmann / Fromme

Toxikologie - Epidemiologie - Hygiene - Belastungen - Wirkungen - Diagnostik - Prophylaxe

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