Metalle/Cadmium

S. Werner, I. Dobrev

Den kompletten Artikel können Sie in unserem "Handbuch der Umweltmedizin" nachlesen.

Zusammenfassung

Cadmium ist ein metallisches Element, das in geringen Konzentrationen in der Umwelt weit verbreitet vorkommt. Emissionen und Immissionen von Cadmium zeigen seit Ende der 1970er Jahre eine rückläufige Tendenz. Für die (nichtrauchende) Allgemeinbevölkerung stellt die Nahrung mit einem Anteil von 90 % die wichtigste Belastungsquelle dar. Bei Tabakrauchern führt das Rauchen zu einer erheblichen
zusätzlichen Belastung. Die Cadmiumzufuhr über die Atemluft und das Trinkwasser ist in Relation zur Cadmiumzufuhr über die Nahrung vernachlässigbar gering.

Für die deutsche Allgemeinbevölkerung beträgt die durchschnittliche wöchentliche Cadmiumaufnahme
über die Nahrung knapp 1,5 µg/kg KG. Besondere BevölkerungsgruppenwieVegetarier,Vielverzehrer,
Raucher und auch Kinder nehmen erheblich größere Cadmiummengen auf. Aus zahlreichen Untersuchungen zur gastrointestinalen Cadmiumaufnahme wird für die westliche Bevölkerung eine orale Cadmiumabsorption fürMänner von 5 %und für Frauen von 10 % abgeleitet. Wegen der langen  Halbwertszeit reichert sich Cadmium im menschlichen und im tierischen Organismus an. Hauptspeicherorgane sind die Nieren und die Leber.

Zur Beurteilung der aktuellen Cadmiumbelastung eignet sich vor allem die Cadmiumkonzentration im Blut. Langzeit-Cadmiumbelastungen können am besten anhand der Cadmiumkonzentration im Urin
erfasst werden.

Diskrete, subklinische Nierenfunktionsstörungen können bei besonders empfindlichen Personen bei einer Cadmiumkonzentration im Urin von mehr als 1 µg/l auftreten. Da dieser Schwellenwert bei einem kleineren Teil der Bevölkerung erreicht oder überschritten werden kann, ist davon auszugehen, dass
bei einem kleinen Teil der vornehmlich älteren Bevölkerung diskrete, cadmiumbedingte Nierenfunktionsstörungen vorkommen können. Allgemein ist festzustellen, dass zwischen der derzeitigen Cadmiumbelastung der Bevölkerung und der Wirkungsschwelle ein relativ geringer Sicherheitsabstand liegt, und bei bestimmten Gruppen sogar leicht überschritten wird.

Der Nachweis der kanzerogenen Wirkung von inhalierten Cadmiumverbindungen beruht auf  tierexperimentellen Kanzerogenitätsstudien und arbeitsmedizinischen Untersuchungen. Von Seiten der International Agency forResearch onCancer (IARC) und der Kommission zur Beurteilung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) wurden Cadmiumverbindungen in die Gruppe der krebserzeugenden Stoffe eingestuft. Bei oraler Zufuhr wirken Cadmium und Cadmiumverbindungen nicht nachweislich eindeutig kanzerogen.

Die wichtigste Quelle der inhalativen Cadmiumbelastung der Allgemeinbevölkerung ist das Tabakrauchen.
Die im Tabakrauchaerosol enthaltenen Cadmiumverbindungen haben wahrscheinlich einen bedeutsamen
Anteil an der kanzerogenen Wirkung des Tabakrauches. Die im Schwebstaub vorkommenden Cadmiumverbindungen stellen in Relation zu anderen krebserzeugenden Luftverunreinigungen nur ein geringes Krebsrisiko dar. Das rechnerische Lungenkrebsrisiko bei den üblicherweise im atmosphärischen
Schwebstaub in Stadtgebieten vorkommenden Cadmiumgehalten wird mit 1–10 zusätzlichen Lungenkrebsfällen pro 100 000 lebenslang Exponierte angegeben.

Die umweltmedizinische Bedeutung von Cadmium beruht auf zwei Effekten: der Nierentoxizität und der kanzerogenen Wirkung von inhalierten Cadmiumverbindungen. Wegen der langfristigen Akkumulation
in den Nieren und der langen Latenzzeit bei der Entstehung von Lungentumoren sind vor allem
ältere Personen als Risikogruppe anzusehen.

Zitierweise:

Werner S, Dobrev I (2020). Metalle/Cadmium. In: Wichmann HE, Fromme H (Hrsg.), Handbuch der Umweltmedizin, Kap. VI-3, 67. Erg.-Lfg. ecomed Medizin, Landsberg

Wichmann / Fromme / Zeeb

Toxikologie - Epidemiologie - Hygiene - Belastungen - Wirkungen - Diagnostik - Prophylaxe

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