Substanzbezogene Störung, Drogenmissbrauch, fehlgeleitete Selbstmedikation – mit Shared Decision Making zur stimmigen Diagnose

Gundula Barsch

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Den kompletten Artikel können Sie in unserer Zeitschrift "Suchtmedizin" lesen. 

Zusammenfassung:

Gesundheitspolitisch werden Bemühungen von Patienten, durch eigene Strategien für eine Heilung bzw. Linderung von Krankheits- und Leidenszuständen zu sorgen, positiv gewertet. Dies vor allem, weil eine kleinliche Nachfrage nach medizinischer Behandlung das medizinische Versorgungssystem heillos überfordern würde. Diese Leitidee gilt allerdings nicht für alle Patientengruppen. Insbesondere diejenigen, die für ihre selbstinitiierten Behandlungsversuche auf illegale psychoaktive Substanzen zurückgreifen, sehen sich einem besonderen Misstrauen gegenüber.
Hier wird eher umgehend mit den Diagnosen „Abhängigkeit“, „Drogenmissbrauch“ oder „fehlgeleitete Selbstmedikation“ reagiert, obwohl eine sorgfältige und differenzierte Auseinandersetzung mit den Beweggründen, Konsummustern und Einbindungen in den Lebensstil durchaus zu anderen Bewertungen kommen könnte. 

Insbesondere beim Umgang mit dem sogenannten Beikonsum im Rahmen einer Substitutionstherapie, aber auch in Zusammenhang mit dem Rückgriff auf Cannabis als Medizin, ergeben sich aus dieser Störung in der Kommunikation nicht nur erhebliche Nachteile für die betroffenen Patienten. Vielmehr werden auch Chancen vertan, schnell und zielgenau zu einer Behandlungsform zu finden, die auf bereits vorliegenden Erfahrungen mit einer Selbstmedikation aufbaut und deshalb eine hohe Adhärenz verspricht. Eine Umbewertung der sogenannten fehlgeleiteten Selbstmedikation und das Etablieren von Shared Decision Making auch in diesen medizinischen Behandlungsfeldern scheinen aus dieser Perspektive überfällig.

Substance-related disorder, substance abuse, ill-considered self-medication – with Shared Decision Making to a coherent diagnosis

Viewed through the lens of health policy, patients’ endeavors to self-manage healing or relief from illnesses and suffering are regarded positively. This stance is primarily rooted in the recognition that an unrestrained demand for medical therapy would overwhelm the healthcare system. However, this principle does not apply to all groups of patients. Particularly those who resort to illicit psychoactive substances for self-initiated treatment are met with skepticism. In such cases, diagnoses like “addiction”, “substance abuse”, or “ill-considered self-medication” are often swiftly applied, despite a thorough and nuanced assessment of motivations, usage patterns and the kind of integration into
the user‘s live could yield alternative evaluations.
Particularly in scenarios involving what is termed “concomitant use” within the framework of substitution treatment, as well as in relation to the utilization of cannabis as a medicinal agent, this breakdown in communication between patient and therapist not only bestows significant
drawbacks upon the patients. Also results in a missed opportunity to swiftly and intentionally identify a treatment approach that capitalizes on their prior experiences with self-medication, holding the promise of strong adherence.

Zitierweise:
Barsch G (2023). Substanzbezogene Störung, Drogenmissbrauch, fehlgeleitete Selbstmedikation – mit Shared Decision Making zur stimmigen Diagnose. Suchtmedizin 25(5): 293-302

Backmund / Walter / Soyka / Haltmayer † / Bruggmann / Krausz

Addiction Medicine

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