Energie- und Nährstoffbedarf der Schwangeren

Der zusätzliche Bedarf an Energie während der Schwangerschaft wird häufig überschätzt, ist aber nicht sehr hoch. Der Bedarf steigt nur leicht an, in den letzten Monaten um etwa 10 %. Dies entspricht ca. 200–300 Kilokalorien am Tag.

Beispiele für diese Kalorienmenge sind: eine Scheibe Brot mit Käse und Tomate oder ein Becher fettarmer Joghurt mit Beeren und etwas Müsli oder ein Teller Gemüsesuppe mit Nudeln. Der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen steigt im Verhältnis zum Energiebedarf hingegen sehr stark an. Daher sollten schwangere Frauen vor allem auf die Qualität der Ernährung achten. Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte (hoher Gehalt an essenziellen Nährstoffen im Verhältnis zum Energiegehalt) sind besonders erwünscht.

Empfohlene Lebensmittelauswahl
Der Mehrbedarf für zahlreiche Nährstoffe – mit Ausnahme von Folat (Folsäure) und Jod (s.u.) – kann durch eine geeignete Lebensmittelauswahl gedeckt werden. Der Verzehr spezieller (diätetischer) Lebensmittel ist im Allgemeinen nicht notwendig. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit natürlichen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln ist von großer Bedeutung – sowohl für die Gesundheit der Schwangeren als auch für die Entwicklung des Kindes. Im Großen und Ganzen gelten die allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung auch für Schwangere. Eine gute Orientierungshilfe ist die Ernährungspyramide.

  • Regelmäßige Mahlzeiten (3 Haupt- und 2 Zwischenmahlzeiten) sind wünschenswert – und auch bei Schwangerschaftsübelkeit bewährt.
  • Gemüse und Obst („5 Portionen am Tag“), Vollkorn-Getreideprodukte und Kartoffeln sollten täglich reichlich verzehrt werden.
  • Fettarmes Fleisch, (fettarme) Milchprodukte sowie Fisch sollten ebenfalls täglich in Maßen gegessen werden.
  • Von den empfohlenen zwei Portionen Meeresfisch pro Woche sollte einmal eine fettreiche Sorte wie Lachs, Makrele oder Hering gewählt werden, um den erhöhten Bedarf an langkettigen Omega-3-Fettsäuren (DHA, Docosahexaensäure) zu erreichen.
  • Thunfisch, Schwertfisch und andere Raubfischarten sollten aufgrund der Schadstoffbelastung gemieden werden.
  • Süßigkeiten bzw. Snacks sollten nur gelegentlich sparsam, maximal einmal pro Tag, genossen werden.
  • Das Meiden bestimmter Lebensmittel in der Schwangerschaft hat – auch hinsichtlich der Allergieprävention beim Kind – keinen Nutzen. Lediglich zum Schutz vor Infektionen (Listeriose und Toxoplasmose) sollen Schwangere Obst und Gemüse stets waschen oder schälen.
  • Außerdem sollten sie keine rohen tierischen Lebensmittel (wie unerhitzte rohe Wurst wie Salami, Mettwurst, Teewurst, rohes oder nicht-durchgebratenes Fleisch, Sushi, rohe Eier, Rohmilchkäse) essen. Erhitzen für mindestens zwei Minuten auf über 70°C im Inneren des Lebensmittels tötet die Krankheitserreger ab.

Besondere Ernährungsweisen
Eine ausgewogene vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milchprodukten und Eiern kann auch in der Schwangerschaft den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken. Eine ausschließlich pflanzliche, also vegane Ernährung hingegen kann gesundheitliche Risiken für das ungeborene Kind bergen– vor allem aufgrund der Unterversorgung mit Vitamin B12. In diesem Fall sind immer eine qualifizierte Ernährungsberatung sowie die Einnahme von Mikronährstoffen notwendig.


Zitierweise
Lück I, Bau A-M (2019): Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. In: Weimann A, Schütz T, Ohlrich-Hahn S et al.: Ernährungsmedizin - Ernährungsmanagement - Ernährungstherapie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ecomed Medizin. Landsberg

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