Klimawandel und Gesundheit

H.-G. Mücke, A. Matzarakis

Abstract aus dem Handbuch der Umweltmedizin:

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts erwärmt sich das Klima weltweit und verändert damit das Klimasystem der Erde nachhaltig. Als Hauptursache des Klimawandels gelten die Aktivitäten des Menschen, vor allem durch die Nutzung fossiler Rohstoffe und die damit verbundene Freisetzung von Treibhausgasen. Die vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) für die nächsten 100 Jahre prognostizierte Veränderung des globalen Klimas ist, z. B. bezogen auf die Lufttemperatur, größer als die Änderung während der letzten 10 000 Jahre. Dies beeinträchtigt die unterschiedlichen ökologischen und lebenserhaltenden natürlichen Systeme, aus denen Gesundheitsrisiken resultieren, die in ihrer Größenordnung und Qualität außerhalb der bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen liegen.

Bei den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit des Menschen kann zwischen direkten und (möglicherweise noch bedeutsameren) indirekten Auswirkungen unterschieden werden. Direkte Folgen betreffen:

  • Veränderungen bei hitze- und kältebedingten Erkrankungen und Todesfällen durch Exposition gegenüber thermischen Extrema
  • Todesfälle, Verletzte, psychische Erkrankungen und Beeinträchtigungen der Infrastruktur des  öffentlichenGesundheitswesens durch extreme Wetterereignisse.

Als indirekte Folgen sind zu erwarten:

  • Änderungen im Auftreten und in der geographischen Verbreitung von Infektionserkrankungen durch Störungen von Ökosystemen
  • Schäden und Zunahme von Infektionserkrankungen durch Überflutungen bei Anstieg des Meeresspiegels
  • Mangelernährung und Hunger und daraus folgend Entwicklungsschäden bei Kindern
  • akute und chronische Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung einschließlich Pollen und Allergene
  • Hautkarzinome, Katarakte und Schädigung des Immunsystems durch Zunahme der UV-Strahlung; indirekte Auswirkungen auch über verringerte Produktivität in Landwirtschaft und Fischerei
  • breites Spektrum weiterer Auswirkungen auf die Gesundheit (z. B. psychische Erkrankungen,  Verschlechterung der Ernährung, Bürgerkriege, Migrationen) durch soziale, ökonomische und  demographische Verwerfungen, ausgelöst durch nachhaltige Auswirkungen des Klimawandels auf Wirtschaft, Infrastruktur und Zugriff auf Ressourcen.

Die Schwierigkeit in der eindeutigen Bestimmung von Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit sind verknüpft mit Unsicherheiten hinsichtlich sozialer, demographischer, ökonomischer und technologischer Veränderungen, die die Menschen sowie ihre Anpassungskapazität und Widerstandsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels ebenfalls beeinflussen.

Außer in der Entwicklung verbesserter Klimamodelle für zukünftige Klimaperioden besteht eine wichtige Aufgabe der Wissenschaft darin, die Grundlage für eine weitsichtige, vorbeugende Klimaschutzpolitik zu legen, welche auf die Begrenzung der langfristigen Risiken – auch der gesundheitlichen – der durch die Menschen verursachten Umweltbelastungen ausgerichtet ist.

Zitierweise:
Mücke H-G, Matzarakis A (2017). Klimawandel und Gesundheit. In: Wichmann HE, Fromme H (Hrsg): Handbuch der Umweltmedizin, Kap. VIII-1.10, 58. Erg.Lfg., ecomed Medizin, Landsberg

Wichmann / Fromme

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