Schweineinfluenza (Influenza-A-Virusinfektionen des Schweins)

H.-J. Selbitz

Den kompletten Artikel können Sie in unserem Kompendium "Handbuch der Infektionskrankheiten" nachlesen.

Die Schweineinfluenza gehört nicht nur zu den wichtigsten Virusinfektionen bei dieser Tierart, sie spielt auch eine Rolle in der globalen Zirkulation von Influenzaviren. Für die Medizin steht natürlich der Mensch im Zentrum dieses Geschehens, aber gerade bei der Influenza haben auch Tiere eine große Bedeutung. Die Grippewelle am Ende des 1. Weltkrieges gehört zu den wichtigsten pandemischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Sie hat mehr Todesopfer gefordert als die Kriegshandlungen des 1. Weltkrieges; inzwischen gibt es Schätzungen von bis zu 50 Millionen Toten innerhalb von 18 Monaten. Nahezu zeitgleich trat ein Seuchengeschehen bei Schweinen auf, bei dessen Aufklärung der Begriff Schweineinfluenza erstmals geprägt wurde. Die Erforschung der Ätiologie der Influenza erfolgte bei Menschen und Schweinen somit fast parallel.

Im August 1918 trat im US-Staat Illinois eine Schweineseuche auf, die zuerst unter dem Gesichtspunkt der Schweinepest betrachtet wurde. Koen (1918) stellte aber Beziehungen zur gleichzeitig ausgebrochenen Influenza bei Menschen fest und berichtete, dass einem Seuchenausbruch bei Menschen sehr bald Erkrankungen bei Schweinen folgten. Im Herbst 1918 breitete sich diese Tierseuche in mehreren US-Staaten aus, wobei der Rücktransport von Tieren nach einer Ausstellung eine große Rolle gespielt haben soll. Richard E. Shope (1901─1966) gelang es als Erstem, die Virusnatur des Erregers nachzuweisen; die entscheidende Publikation erschien 1931. 1933 publizierten Smith, Andrews und Laidlaw in Großbritannien dann ihre Erkenntnisse zur Virusnatur des Erregers der Grippe des Menschen. Bis dahin hatte seit 1892 das von Richard Pfeiffer (1858─1945) in Deutschland beschrieben Bakterium Haemophilus influenzae (aktuell gültige Bezeichnung) als Grippeerreger gegolten. Auch beim Schwein fand man ähnliche Bakterien und benannte sie als Bacterium influenzae suis (heute Glaesserella parasuis). Beide Bakterien sind auch heute als Sekundärerreger bei Influenzainfektionen des Menschen bzw. Schweins zu berücksichtigen.

Seit dieser Grippepandemie am Anfang des 20. Jahrhunderts gehört die Schweineinfluenza zu den wichtigen Virusinfektionen bei dieser Tierart und ist auch für das Zoonosegeschehen von Bedeutung. Die Influenzaviren haben ein breites Wirtsspektrum und kommen bei vielen Tierarten vor; Vögel spielen eine zentrale Rolle in der Epidemiologie. Hier soll noch auf zwei weitere Influenzainfektionen von Säugetieren hingewiesen werden, die für die Veterinärmedizin eine erhebliche praktische Bedeutung besitzen, aber unter One-Health-Aspekten eine geringere Bedeutung als Schweineinfluenza haben.

Bei Pferden wurden 1956 in der damaligen Tschechoslowakei (A/equi-1/Prag/56, Subtyp H7N7) und 1963 in Miami, FL (A/equi-2 /Miami/63, Subtyp H3N8) Influenzaviren nachgewiesen, die weltweite Bedeutung für Pferdebestände erlangten. Retrospektiv wird auch der sogenannte Hoppegartener Husten als Pferdeinfluenza eingeordnet und die während des 1. Weltkrieges beschriebene Brüsseler Krankheit hatte wahrscheinlich ebenfalls eine Influenzainfektion als Basis. Der Subtyp H7N7 wird derzeit beim Pferd als erloschen betrachtet, wohingegen H3N8-Infektionen unverändert wichtig sind und auch in Impfprogrammen für Pferde berücksichtigt werden.

Influenzaviren des Subtyps H3N8 sind auch auf Hunde übergegangen und haben sich um die letzte Jahrtausendwende in der Hundepopulation etabliert. Später ist es im Ergebnis eines Spill-over von Vögeln auch zu H3N2-Infektionen bei Hunden gekommen.

Das Auftreten von Influenza-A-Virusinfektionen bei marinen Säugetieren, z.B. Seehunden, und bei Fledertieren (Chiroptera) macht es erforderlich, auch diese Tiergruppen in epidemiologische Überlegungen und Untersuchungen einzubeziehen.

 

Zitierweise:
Selbitz HJ (2021). Schweineinfluenza (Influenza-A-Virusinfektionen des Schweins). In: Meyer C (Hrsg): Handbuch der Infektionskrankheiten, Kap. II ─ 5.1.S, 91. Erg.-Lfg. ecomed Medizin, Landsberg

Meyer

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