„Über ein Leben mit Alkohol“ – Eine qualitative Auswertung von narrativen Interviews mit alkoholabhängigen Patientinnen und Patienten in stationärer Entzugsbehandlung

F. Lötscher, R. Steinauer, G.A. Wiesbeck, U.E. Lang, M. Walter

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Zusammenfassung:

Einleitung: Die Alkoholabhängigkeit ist eine chronisch-rezidivierende Abhängigkeitserkrankung. Die Mehrheit der alkoholabhängigen Patientinnen und Patienten wird aber durch die derzeit verfügbaren Therapien nicht ausreichend erreicht. Insgesamt ist die subjektive Sicht der Betroffenen auf den Alkohol und die verschiedenen Therapien noch wenig untersucht.

Methoden: 20 stationär behandelte Patientinnen und Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit wurden gefragt, wie sie in der Vergangenheit mit dem Alkohol umgegangen sind und was ihnen bei ihrem  Problem geholfen hat. Die narrativen Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und anhand aktueller qualitativer Auswertungsmethoden analysiert.

Ergebnisse: Die Aussagen der Patienten konnten drei Kategorien zugeordnet werden (Alkoholkonsum und Abstinenz; Suchttherapie und eigene Person; soziales Umfeld). Grundsätzlich wurden die Alkoholabstinenz, die verschiedenen Therapieerfahrungen und die Unterstützung durch das soziale Umfeld zwar positiv beschrieben – konträre Aussagen zu angenehmen Wirkungen von Alkohol, zu negativen Therapieerfahrungen und zur sozialen Stigmatisierung kamen aber häufig indirekt zum Ausdruck. Selbsthilfegruppen wurden mehrheitlich als hilfreich eingeschätzt, während  pharmakologische Therapien insgesamt nur wenig thematisiert wurden.

Diskussion: Patientinnen und Patienten mit Alkoholabhängigkeit berichten in Interviews zu erwartende und sozial erwünschte Inhalte über ihr Leben mit dem Alkoholproblem und ihre  Therapieerfahrungen. Gegensätzliche und indirekte Aussagen zeigen ein Spannungsfeld auf, das die Ambivalenz der alkoholabhängigen Patienten in ihren zentralen Lebensbereichen deutlich macht.

English Version:

Introduction: Alcohol dependence is a chronic, recurrent disease. However, the majority of alcohol-dependent patients are not sufficiently reached by the currently available therapies. Overall, the  subjective view of the patients and the various therapies has not yet been well studied.

Methods: Twenty inpatients with alcohol dependence were asked how they had dealt with alcohol in the past and what helped them with their problem. The narrative interviews were recorded,  transcribed and analyzed using current qualitative research methods.

Results: The statements of the patients could be assigned to three categories (alcohol consumption and abstinence; addiction therapy and own person; social environment). Basically, the alcohol  abstinence, the various therapy experiences and the social support were described positively. However, contrary statements about the pleasant effects of alcohol, negative therapy experiences and social  stigmatization were often expressed indirectly. The majority of self-help groups were rated as helpful, while pharmacological therapies were only rarely discussed.

Discussion: In the interviews, patients with alcohol dependence report expected and socially desirable content about their life with the alcohol problem and their therapy experiences. Contrasting and indirect statements reveal a field of tension that makes clear the ambivalence of alcohol-dependent patients in their central areas of life.

Zitierweise:

Lötscher F, Steinauer R, Wiesbeck GA, Lang UE, Walter M (2020). „Über ein Leben mit Alkohol“ – Eine qualitative Auswertung von narrativen Interviews mit alkoholabhängigen Patientinnen und Patienten in stationärer Entzugsbehandlung. Suchtmedizin 22(6): 255-263

Bruggmann / Krausz / Backmund / Walter / Soyka / Haltmayer

Addiction Medicine

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