Was gibt es Neues bei der Roboter-gestützten Chirurgie?

J. Kirchberg, J. Weitz, J. Fritzmann

In den 1980er-Jahren wurde der erste Operationsroboter vom US-amerikanischen Militär entwickelt.
Er sollte Chirurgen ermöglichen, in sicherer räumlicher Entfernung in Krisengebieten zu
operieren. Bis zum heutigen Tag ist das DaVinci-System® der Firma Intuitive Surgical seit den 1990er-Jahren der am häufigsten eingesetzte Operationsroboter in der Weichgewebschirurgie. Dennoch drängen zunehmend Konkurrenzprodukte auf den Markt, z.B. das Senhance Surgical Robotic System von TransEnterix.

Beim DaVinci-System® steuert der Chirurg im Sinne eines Master-Slave-Systems von einer Konsole
aus 4 Roboterarme, die über spezielle Trokare am Patienten angedockt sind. Die theoretischen Vorteile des am weitesten verbreiteten Roboter-Systems DaVinci© sind die hochauflösende dreidimensionale komplett stabile Sicht mit bis zu 10-facher Vergrößerung, die unabhängig vom OP-Assistenten ist. Weiterhin bieten die Steuerungshandgriffe vollständige Bewegungsfreiheit in 7 Freiheitsgraden und der
natürliche Tremor wird herausgefiltert. Die Ergonomie für den Chirurgen an der Konsole in bequemer,
unsteriler, sitzender Position vermeidet frühzeitige Erschöpfung. Kopf und Hände werden durch die Konsole gestützt, die Wirbelsäule und Armmuskulatur werden entlastet.

All diese Faktoren sollen das intrakorporale feinste Präparieren sowie Nähen und Knoten vereinfachen.
Insbesondere in OP-Feldern in relativ definiertem Quadranten des Körpers auf engem Raum (Becken bei Rektumresektionen, Thorax bei Ösophagusresektionen) oder beim Nähen von anspruchsvollen
Anastomosen (z.B. Ösophagogastrostomie, Pankreatikojejunostomie, Hepatikojejunostomie) schätzen zunehmend mehr onkologische Viszeralchirurgen den Einsatz des OP-Roboters.

Ein Nachteil des DaVinci-Systems® ist der Mangel an haptischem Feedback. Ein Konkurrenzprodukt
von TransEnterix hat diesen Schwachpunkt gelöst und bietet ein entsprechendes Feedback. Die
Kamera wird hier mittels Eye-Sensing-Control-Technologie mit Augenbewegungen gesteuert.
Die Implementierung von fortschrittlichsten Technologien, z.B. Virtual Reality und Navigation, in
die robotische Chirurgie wird intensiv beforscht und wird in die OP-Säle Einzug erhalten.

Seit der Einführung des OP-Roboters hat sich das Spektrum der damit durchgeführten Operationen
kontinuierlich erweitert. Am frühesten und schnellsten hat sich der Roboter in der Urologie und Gynäkologie durchgesetzt. Der Einsatz des Roboters in der Viszeralchirurgie entwickelte sich im Vergleich dazu eher langsam, befindet sich jedoch mittlerweile in einer exponentiellen Verbreitungsphase.

In Deutschland haben derzeit ca. 140 Kliniken Zugang zu einem DaVinci®-Operationsroboter (persönliche Kommunikation Firma Intuitive Surgical, Stand 10/2019). Einer kürzlich publizierten nationalen Umfrage zur Nutzung des DaVinci-Systems® in Deutschland zufolge, liegen auch hierzulande jährliche Steigerungen der Operationszahlen mit dem Roboter von bis zu 50 % vor.


Im Buch finden Sie den kompletten Beitrag.


Zitierweise:
Kirchberg J, Weitz J, Fritzmann J (2020). Was gibt es Neues bei der Roboter-gestützten Chirurgie? In: Jähne J, Königsrainer A, Südkamp N, Schröder W (Hrsg): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Jahresband 2020, Kap. 1.6, ecomed Medizin, Landsberg


Jähne / Königsrainer / Schröder / Südkamp

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