Westamerikanische Pferdeenzephalomyelitis

C.G. Meyer

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Erreger
Der Erreger ist das Western equine encephalitis- Virus (WEEV), ein neurotropes positivsträngiges ssRNA-Virus der Familie Togaviridae, Gattung Alphavirus. Es handelt sich um ein Arbovirus mit einer Größe von 60–80 nm. WEEV gehört zu einem Komplex mehrerer verwandter Viren mit unterschiedlicher Pathogenität für Menschen und Pferde [1]. In einem enzootischen Biozyklus wird das Virus zwischen Vögeln (Reservoire) und Mücken übertragen. Es existieren unterschiedliche Subtypen des WEEV: Highlands-J-Virus (HJV), Fort-Morgan-Virus (FMV), Buggy-Creek-Virus (BCRV), Subtypen des Sindbis-Virus, Aura-Virus (AURV) und das Y62-33-Virus. WEEV ist genetisch zu 84 % mit dem Eastern equine encephalitis-Virus (EEEV) identisch.

Einstufung des Erregers nach Biostoffverordnung
WEEV ist der Risikogruppe 3 zugeordnet. Der Umgang mit dem Erreger darf gemäß TRBA 100 nur in den Arbeitsbereichen erfolgen, die den Anforderungen der Schutzstufe 3 genügen.

Vektor
Die Übertragung der Viren erfolgt durch den Stich von Stechmücken (Culex tarsalis und Aedes- sowie Culiseta- und Psorophora-Arten) sowie durch Zecken (Dermacentor andersoni). In Argentinien ist Aedes albofasciatus der übertragende Vektor.

Epidemiologie
Der Erreger kommt in Kanada, dem Westen und Osten der USA, besonders westlich des Mississippi, in Mexiko sowie in Südamerika vor. Die bisher größte Epidemie trat 1941 in den westlichen US-Staaten und in Kanada auf; damals waren 300 000 Pferde betroffen und es kam zu 3 336 menschlichen Todesfällen.
Inzwischen treten unter Pferden nur noch kleinere Epizootien auf; auf solche Epizootien können dann menschliche Erkrankungsfälle folgen, die inzwischen allerdings relativ selten sind. Menschen und Pferde werden nur akzidentell aus dem enzootischen Zyklus heraus infiziert. Männer sind häufiger als Frauen betroffen; wahrscheinlich als Folge einer stärkeren beruflichen Exposition.

Übertragung
Erkrankungen von Pferden gehen oft den menschlichen Infektionen voraus. Die Übertragung der Viren erfolgt von April bis September (Maximum Juli und August) durch den Stich von Stechmücken (Culex tarsalis und Aedes- sowie Culiseta- und Psorophora-Arten) sowie durch Zecken (Dermacentor andersoni).
In Argentinien ist Aedes albofasciatus der übertragende Vektor. Eine transplazentare Übertragung ist ebenfalls möglich; dies führt zu massiven zerebralen Nekrosen und zum Tod des Ungeborenen. Wildvögel sind Reservoirtiere und Verstärkerwirte; sie erkranken nicht. Das Virus persistiert in den Vögeln bis zu einem Jahr lang; dies stabilisiert die Infektkette und den enzootischen Biozyklus. Eine transovarielle Weitergabe des Virus in den übertragenden Insekten ist nachgewiesen worden.

Krankheitsbilder
In der Regel kommt es zu inapparent und subklinisch verlaufenden menschlichen Infektionen im Sommer und, in geringerem Ausmaß, im Frühherbst. Klinische Erkrankungen sind oft milde und heilen dann vollständig, jedoch oft nur protrahiert, aus. Schwere Erkrankungsfälle kommen ebenfalls vor.
Klinisch finden sich Fieber, starke Kopfschmerzen, Muskel- und lumbale Schmerzen und gastrointestinale Symptome sowie fokale neurologische Ausfälle. Es kommt zu Verwirrtheitszuständen, Photophobie, Somnolenz und schließlich zum Koma. Der Tod tritt häufig bereits nach zwei Tagen ein.

Bei Kindern kommt es oft zu einer diffusen Cortexatrophie. Es finden sich unterschiedliche neurologische Manifestationen und die Symptome einer Enzephalitis.
Kinder sind häufiger als Erwachsene betroffen; schwerste neurologische Komplikationen mit invalidierenden Defektheilungen kommen vor.

Die Letalität bei Infektionen älterer Erwachsener beträgt bis zu 12 %. Nach Überstehen einer Infektion können neurologische Residuen einschließlich Demyelinisierung, mentaler Beeinträchtigungen, Verhaltensänderungen, Choreoathetose, Kleinhirnschäden und Krampfleiden verbleiben. Es sind Fälle von M. Parkinson nach Überstehen einer Infektion beschrieben worden. Residuen sind bei Erwachsenen deutlich seltener als bei Kindern.

 

Zitierweise:
Meyer CG (2021). Westamerikanische Pferdeenzephalomyelitis. In: Meyer CG (Hrsg.). Handbuch der Infektionskrankheiten, 90. Erg.-Lfg., ecomed Medizin, Landsberg

Meyer

Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe, Gesetzliche Regelungen

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