Gesundheitliche Auswirkungen von künstlichem Licht (künstlicher optischer Strahlung)
B. Brenner, H.-D. Reidenbach, M. Otto, C. Herr
Abstract aus dem Handbuch der Umweltmedizin:
Der Mensch ist in der heutigen Zeit mit den künstlichen Lichtquellen überwiegend einem Licht ausgesetzt, welches sich von der Beleuchtungsstärke und dem Farbspektrum wesentlich vom Licht der Sonne unterscheidet. Während tagsüber helles tageslichtweißes Licht nicht zuletzt zur Steigerung der Vigilanz und zur Unfallverhütung wichtig ist, kann eine abendliche oder nächtliche Lichtexposition mit einem hohen Blaulichtanteil konsekutiv zu einer unerwünschten Melatoninsuppression führen. Wiederholen sich solche Episoden und halten diese länger an wie z. B. bei Schichtarbeit, so kann eine Desynchronisation des circadianen Systems, eine sog. Chronodisruption, die Folge sein. Schichtarbeit in Verbindung mit einer Chronodisruption wurde im Jahr 2007 in die Gruppe 2A („wahrscheinlich karzinogen für Menschen“) eingestuft.
Zunehmend verdichten sich die Hinweise, dass nicht nur die Chronodisruption, sondern auch die
durch Licht verursachte Melatoninsuppression bei der Entwicklung bzw. Progression zahlreicher chronischer Krankheiten und Krebs eine bedeutende Rolle spielt. Eine dem natürlichen Tagesgang entsprechende Lichtführung (mit aufeinander abgestimmten natürlichen und künstlichen Lichtquellen) mit stetig ansteigender Lichtexposition in der ersten Tageshälfte, die um die Mittagszeit helles tageslichtweißes Licht beinhaltet und zum Abend hin zu gedämpftem Licht mit geringem
Blauanteil wechselt, wird nicht nur von den meisten Personen als angenehm empfunden, sondern auch
in Fachkreisen als bedeutende Präventivmaßnahme gegen Beeinträchtigungen bzw. Erkrankungen des Menschen infolge einer ungünstigen Exposition gegenüber künstlichem Licht empfohlen.
Zitierweise:
Brenner B, Reidenbach H-D, Otto M, Herr C (2019). Gesundheitliche Auswirkungen von künstlichem Licht (künstlicher optischer Strahlung). In: Wichmann HE, Fromme H (Hrsg): Handbuch der Umweltmedizin, Kap. V-1.3.4, 64. Erg.Lfg., ecomed Medizin, Landsberg
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