Kältetrauma

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Auszug aus Notfallmedizin:

Wie auch beim Wärmetrauma werden bei intensiver Kälteeinwirkung auf den Organismus eine Reaktion des Gesamtorganismus (Hypothermie) und eine lokale Schädigung (Erfrierung) unterschieden.

Entscheidend für das Kältetrauma sind einerseits der Wärmeverlust des Körpers, der zu einem Absinken der Körperkerntemperatur führt, und andererseits der isolierte Wärmeverlust an exponierten Körperoberflächen.

Eine Hypothermie ist nicht nur im Winter im Gebirge zu erwarten, sondern auch im flachen Land – insbesondere bei länger auf dem Boden liegenden traumatisierten Patienten, selbst im Sommer. Begünstigende Faktoren sind kalter Wind und mangelhafte Kleidung, Alkoholgenuss und individuelle Faktoren, wie fehlende Akklimatisation oder Training.

Von einer Unterkühlung ist auszugehen bei einem Abfall der Körperkerntemperatur < 35 °C, wobei zwischen einer akuten Hypothermie (Sturz ins Wasser) und einer chronischen Hypothermie (langes Liegen auf dem Boden) unterschieden wird. Bei ungeschütztem Liegen muss bei niedriger Außentemperatur mit einer Auskühlung von 4 °C pro Stunde gerechnet werden.

Der Körper kühlt von der Körperschale (Arme, Beine, Haut) nach innen zum Körperkern hin ab. Die Einteilung der differenten Hypothermiestadien erfolgt unter klinischen und praktischen Gesichtspunkten. Die exakte Messung der Körperkerntemperatur wird erst in einem zweiten Schritt erfolgen können. Für die Messung hat sich die epitympanale Messung bewährt, wobei das Ohr aber frei sein muss.

Es werden 4 Stadien unterschieden

Stadium    
Klinik
Stadium I
(35–32 °C)
Patient ansprechbar, Muskelzittern, Puls und Blutdruck erhöht, Schmerzen
Stadium II
(32–28 °C)
Patient bedingt ansprechbar, kein Muskelzittern, Bradykardie, Hypotonie, keine Schmerzen
Stadium III
(28–24 °C)
Patient nicht ansprechbar, „scheintot“, extreme Bradykardie, Blutdruck nicht messbar, minimale Atmung 
Stadium IV
(< 24 °C)
Atem- und Kreislaufstillstand 

Die Maßnahmen der Rettung orientieren sich an den vorliegenden Schädigungsstadien.
Im Stadium I können aktive Bewegung und die Gabe von heißen nicht alkoholisierten Getränken, sowie evtl. der Wechsel nasser Bekleidung ausreichen.

Ab dem Stadium II sollte mittels eines EKG-Monitorings die Gefahr von durch aktive oder passive Gefahr ausgelösten Rhythmusstörungen detektiert werden.

Wegen der Gefahr des „Bergungstodes“ (s.u.) sollten große, grobe Bewegungen vermieden werden. Eine Wärmepackung kann zum Erhalt der körpereigenen Wärme genutzt werden (Isolation mit warmen
Decken, einwickeln in Metallfolie). Es sollte aber keine lokale Erwärmung durch z.B. Heizkissen erfolgen. Im Stadium III sind Maßnahmen vor Ort wenig zielführend, weshalb der schonende Transport in ein Krankenhaus mit Erfahrung und Möglichkeit der kontrollierten Wiedererwärmung indiziert ist.

Medikamentöse Maßnahmen im Rahmen der Reanimation (Adrenalin) sind in ihrer Wirkung umstritten. Auch sollte von einer weiteren Defibrillation bei 3-maliger Erfolglosigkeit abgesehen werden.

Spezialsituation „Bergungstod bei Unterkühlung“ (Afterdrop)
Damit wird der Tod von Verunfallten beschrieben, die zuvor trotz fehlender Hilfe Stunden oder sogar mehrere Tage überlebt haben, aber kurze Zeit nach der Bergung plötzlich versterben. Aufgrund der Hyperthermie und bei abrupter Veränderung der Lage des Patienten (z.B. Veränderung von der horizontalen in die vertikale Position) kann es bei zu großem Unterschied zwischen Körperkern und Körperschale zu massiven Herzrhythmusstörungen kommen – diese Patienten sind nur noch schwer reanimierbar. Deshalb, um den Bergungstod bei Hyperthermie zu vermeiden: Flachlagerung und Immobilisation!

 

Zitierweise:

Sefrin P (2018): Notfallmedizin. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, ecomed Medizin, Landsberg

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